Erkenntnis

Stellt die Quantenforschung unser Weltbild in Frage? Oder hat es andere Gründe, dass es überhaupt in Frage gestellt werden kann? Denn bereits vor unserer Zeitrechnung haben Zen-Menschen wie beispielsweise Huang-Po oder Hui Neng genau das Gleiche, vielleicht sogar das Selbe, über die Welt gedacht und gesagt, was die Quantenphysiker heute über sie denken und sagen – wenn sie sich den grundsätzlichen Fragen stellen, die ihre Profession aufwirft.

Ich denke eher, dass unsere gewöhnlichen Erkenntnismethoden in Frage gestellt werden – und damit natürlich in der Folge unser Verständnis von der Welt. Denn ganz offensichtlich haben es Huang-Po und Hui Neng auch ganz ohne Quantenphysik geschafft, korrekte Schlüsse zu ziehen. Nicht anders ist es bei Krishnamurti. Was tun wir also, zwar nicht alle, aber viele, dass wir zu falschen Annahmen über die Wirklichkeit kommen?

In dem Buch ‚Physik und Unendlichkeit‘ Ist der 14. Dalai Lama wie folgt zitiert: ‚Die Aussage, die wirtschaftlichen Probleme der Deutschen sei die Schuld der Juden, ist kein Werturteil. Es ist eine ungültige Aussage über die Wirklichkeit und keine Wertaussage.‘ Mit anderen Worten: Ein naturalistischer Fehlschluss. Es ist nicht zulässig, von beobachteten Fakten auf moralische Normen zu schließen. Oder umgekehrt.

Unsere Wahrnehmung wird durch die physikalischen Phänomene der Sinnenwelt geprägt, was erst einmal zu klaren Feststellungen führt; doch sich darauf zu verlassen führt leicht zu unzutreffenden Annahmen. Wir trennen meist Denken und Wahrnehmung, was jedoch nicht korrekt ist. Denn was wir wahrnehmen können ist nicht nur eine Frage der Wahrnehmungsfähigkeit, sondern genauso eine Frage des Denkens! Beides, die sensorische Wahrnehmung und das sensorische Denken sind untrennbar miteinander verbunden.

Doch zurück zu den Ch’an-Menschen. Sie haben erkannt, was wirklich ist. Die Frage ist, ob Karlfried Graf von Dürckheim oder Eugen Herrigel, beide Meister des Zen, auch das Selbe zumindest das Gleiche erkannt haben wie Huang-Po und Hui Neng. Ich glaube nämlich nicht, denn Dürckheim und Herrigel waren Nationalsozialisten. Was mich zu der einfachen Feststellung bringt, dass das ursprüngliche Zen, also Ch’an, mit dem später praktizierte Zen nicht gleichzusetzen ist. Entscheidend ist immer, wer es praktiziert. Die Frage ist vielleicht auch, wem oder was unsere Art der Erforschung der Wirklichkeit ‚dient‘ – mir oder den Menschen? Was für ein Ziel verfolge ich mit meiner Praxis?

Eine andere Frage in diesem Zusammenhang ist, was jemanden dazu bringt, Aikido zu praktizieren – oder Karate. Aikido wurde von Ueshiba Morihei (1883 – 1969) begründet, das moderne Karate von Gichin Funakoshi (1868 – 1957), die also beide in der selben Zeit und auch im selben Land gelebt haben. Beide Traditionen haben ihre Wurzeln im Zen, beide folgen dem Do, dem Lebensweg. Doch ganz offensichtlich haben sie ganz unterschiedliche moralisch-ethische Vorstellungen. Ein Karate-Schlag kann tödlich sein, was für einen Aikido-Praktizierenden absolut nicht vorstellbar ist. Jedenfalls ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein Aikidoka einen Schlag ausführt, der einen anderen verletzen könnte.

Ist es also letztlich eine Frage des Moral- wie des Ethikverständisses des Praktizierenden? Brauche ich eine ‚stimmige’  oder ‚richtige‘ ethische Haltung? Ich stelle diese Frage bewusst, denn ich bezweifle, dass Moral oder Ethik – was ja nicht das selbe ist – am Anfang stehen. Sie sind meines Erachtens nach vielmehr ein Symptom. Es geht also nicht um die Haltung, sondern um etwas viel Grundsätzlicheres. Alles, was ich für gut und richtig halte, was sich in meiner Ethik und letztlich in meiner Haltung widerspiegelt, basiert ja auf meinem Weltbild. Also kann es nicht die Grundlage meiner Erkenntnis der Welt sein.

Hunde und Katze sollen sich bekanntlich ja nicht verstehen. Als ich klein war, gab es bei uns zu Hause einen Kater und einen Hund, Muck und Piefke, die sich prächtig verstanden. Der Kater wurde immer losgeschickt, wenn der Hund abgehauen war. Und er brachte ihn auch stets brav nach Hause. Was ließ sie also wirkliche, unzertrennliche Freunde werden? Wie haben sie es geschafft, sich zu verstehen? Die Tatsache, dass sich Katzen und Hunde oft nicht leiden können, liegt wahrscheinlich an Missverständnissen. Katzen verstehen die Sprache der Hunde falsch und umgekehrt: Wenn sich zwei unbekannte Tiere zum ersten Mal treffen, ist ihre Stimmung oft noch gut. Dann wedelt der Hund ‚freudig‘ mit dem Schwanz. Bei Katzen bedeutet ein wedelnder Schwanz aber Angriff und nicht Freude – es gibt das erste Missverständnis. 

Umgekehrt wird eine Katze zunächst schnurren, wenn sie den Hund zum ersten Mal sieht. Das bedeutet für sie: „Mir geht es gut.“ Hunde können dieses Schnurren aber für Knurren halten und damit zeigt ein Hund ja, dass ihm etwas nicht gefällt. So deutet der Hund die Sprache der Katze falsch und umgekehrt. Sind beide aber von Jugend an aneinander gewöhnt, verstehen sie die Sprache des anderen. Das heißt aber nicht, dass ein Hund, nur weil er mit einer bestimmten Katze aufgewachsen ist, jede mögen muss.

Bei uns zu Hause haben es die beiden ganz offensichtlich verstanden, ihre sprachlichen Barrieren zu überwinden. Sie sind sozusagen in einen Dialog über ihre Wahrnehmungen eingetreten und haben gelernt, die Sprache des andern richtig zu interpretieren. Und exakt da steckt das Problem drin: In einer unzutreffenden Interpretation. Eine Wahrnehmung wird unzutreffend interpretiert – und schon ist das Problem da. Daher sollten wir uns wirklich die Zeit nehmen, dialogisch miteinander zu reden, um den anderen richtig zu verstehen zu suchen, statt ihm zu ‚erklären‘, warum unsere Erkenntnis, besser ist es wohl von ‚Ansicht‘ zu sprechen, die einzig Richtige ist.

Relativität

Wenn wir normalerweise etwas nicht leiden könne, dann ist es Relativität. Doch seit Einstein seine allgemeine und seine spezielle Relativitätstheorie geschrieben hat und die auch vielfach bestätigt wurde, können wir nicht mehr leugnen, dass wir die Dinge relativ wahrnehmen, subjektiv, nicht objektiv. Das ist keine optische Täuschung, sondern eine Frage des Bezugssystems.

Diese „Relativität“ ist also keine Folge einer illusionären Wahrnehmung. Ein Problem tritt erst dann auf, wenn wir nicht auch relativ denken, sondern das, was wir wahrgenommen haben, für absolut korrekt halten. Kürzlich habe ich das selbst erlebt. Ich stand an der Ampel und schaute gelangweilt zu Fenster heraus und beobachtete die Autos neben mir. Plötzlich stellte ich erstaunt fest, dass das Auto neben mir zurück zu fahren begann. Gott sei dank schaltete sich noch rechtzeitig mein Gehirn ein und ich merkte, dass ich nicht mehr fest auf der Bremse stand und nach vorne zu fahren begonnen hatte.

Oder nehmen Sie als Beispiel die Tatsache, dass sich das Universum immer weiter auszudehnen scheint. Normalerweise gehen wir dabei von einem Zentrum aus. Doch diese Ansicht ist wohl nicht korrekt. In dem Moment, in dem wir den Beobachter in die Gleichung aufnehmen, würden wir wohl feststellen, dass wir von jedem Stern aus das selbe Phänomen beobachten würden. Man kann sich das ein bisschen wie bei der Erde vorstellen. Die Oberfläche ist endlich, doch wir können sie unendlich oft umrunden. Die Oberfläche ist zweidimensional, eine unbegrenzte, aber endliche Fläche.

Beim Universum ist es schwierig, sich das vorzustellen, denn da kommt eine weitere Dimension hinzu, es hat drei räumliche Dimensionen. Ein Alien in einer fernen Galaxie würde also wie wir auf der Erde das selbe Phänomen erleben, doch für einen weiteren Alien in einer anderen Galaxie, der uns beide beobachten könnte, sähe das ganz anders aus. Aus seiner Perspektive würde er, je nach der Entfernung zu dem Alien oder zu uns, unterschiedliche Bewegungen wahrnehmen.

Das alles wirft spannende Fragen auf. Existiert das Universum überhaupt? Denn wenn es existiert, müsste es ja irgendwo ‚drin‘ sein. Was ich schon als Physikstudent nicht begreifen konnte oder wollte und lieber ein pragmatisches Studium ergriff. Wenn aber alles von dem Beobachter abhängt und die Beobachtung selbst Wirklichkeit schafft, man denke nur an den Doppelspaltversuch, dann stellt sich die Frage, ob der Mensch in diesem Universum irrelevant sein kann. Schwierige Fragen, über die es sich aber lohnt, nachzudenken!

Wir müssen uns nur davor hüten, uns nicht in der Falle der Beliebigkeit zu verfangen, denn das ist es nicht – beliebig. Nur relativ.

Interaktion

Das Ich wird Ich erst am Du. So sagte es Viktor Frankl einmal. Ich weiß zwar nicht, was er damit genau gemeint hat, für mich ist jedenfalls klar, dass nach innen zu gehen gleichermaßen bedeutet, nach außen zu gehen. Es braucht die Synchronizität dieser gegenläufigen Bewegungen, will ich die Wirklichkeit erfassen. Will ich nach außen gehen und gehe nicht gleichermaßen nach innen oder gehe ich nach innen und nicht gleichermaßen nach außen, gehe ich nirgendwo hin.

Es ist erst einmal ein sich scheinbar widersprechendes Paradox. Bis ich erkenne, dass das Innen und das Außen nicht von einander verschieden sind und auch nicht von einander getrennt werden können; sondern eine Bewegung, die für den Wahrnehmenden zwei Richtungen zu haben scheint. Einfacher wird es, sobald mir klar geworden ist, dass „Innen“ und „Außen“ nur in der Wahrnehmung meines Erlebens existieren.

Dies zu wissen hat beispielsweise eine elementare Bedeutung für die Kommunikation. Die Worte, die ich benutze, repräsentieren nicht die Kommunikation an sich, sondern nur Hilfsmittel, um etwas zu verdeutlichen. Ich darf nicht vergessen, dass der Sprecher eine innere Erfahrung in Worte kodiert, die ich (hoffentlich) wieder in die eigentliche Botschaft dekodiere. Daher führt eine Diskussion oder ein Diskurs meist zwangsläufig in die Irre, nur der Dialog ermöglich, die „eigentliche“ Botschaft zu erfahren.

Gehe ich davon aus, was ich natürlich tue, dass ich aus Materie bestehe, dann muss ich auch davon ausgehen, dass meine Gedanken nichts anderes als Quanteneffekte sind und die Leere, von der im Ch’an so oft die Rede ist, nichts anderes ist als ein Wahrscheinlichkeitsraum, ein Raum des Möglichen, nicht festgelegt, offen in jede Richtung.

Da wir mittlerweile wissen, wie empfindlich und wie leicht Elektronen zu beeinflussen sind, wie sehr mag das wohl bei meinen Gedanken der Fall sein? Sie reagieren auf Beobachtung und werden durch sie auch verändert. Am wenigstens bis kaum in der Diskussion und dem Diskurs oder dem Disput, jedoch am weítestgehendsten fraglos im Dialog.

Das bedeutet auch, dass der Kommunikation, die wir miteinander führen, eine enorme Rolle zukommt. Wenn die Welt letztlich eine Quantenwelt ist und sich nach ihren Prinzipien gestaltet, dann bedeutet das, dass nichts unveränderlich ist, sondern durch Kommunikation und Interaktion gestaltet wird. Wenn Einstein sagt, dass die Geometrie die Materie beeinflusst, dann gilt das auch umgekehrt. Das bedeutet, es kann keine unveränderlichen Naturgesetze geben.

Doch dass „alles fließt“ ist nicht so einfach zu verstehen, sicher ist es nicht banal, sondern hoch komplex. Also nicht so einfach zu denken. Wem das zu wissenschaftlich vorkommt, der sei daran erinnert, dass die buddhistischen Gelehrten weder Teleskope noch Mikroskope hatten, sondern allein durch ihr Denken und Erleben zu ihren Ansichten über das Universum im Großen wie im Kleinen kamen. Also können wir es auch; wir brauchen uns nur auf das eigene Denken und Erleben einzulassen.

Bewusstheit

Welche Rolle spielt Bewusstheit in der Welt? Die Frage muss sich einem ja stellen, seit die moderne Physik immer wieder die Bedeutung des Beobachters thematisiert. Wobei es unzutreffend ist, dabei nur von einem menschlichen Beobachter auszugehen. Daher spreche ich da lieber über Bewusstheit.

Mit der modernen Physik sind viele gesellschaftliche und kulturelle Werte fraglich geworden, die allein auf dem bisherigen wissenschaftlichem Verständnis beruhen. Wir dürfen nicht übersehen, dass unser tradiertes Weltbild ordentlich ins Wanken geraten ist. Letztlich taugt das nur für ein mechanisch-technisches Verständnis etwa einer Maschine, aber nicht für die Betrachtung der Welt wie des Lebens.

Einerseits müssen wir uns darüber klar werden, dass Rationalität nicht das Gelbe vom Ei ist, was andererseits nicht bedeuten darf, dem Mystizismus Tür und Tor zu öffnen. Anteilnahme und Mitgefühl spielen eine wichtige Rolle – vorausgesetzt, es ist nicht nur ein Mäntelchen, das sich ein Ego umgehängt hat. Wir müssen also als erstes schauen, dass wir jeglichen Egoismus aus unseren Hirnen bekommen.

Das beginnt damit, dass wir Akzeptiren, dass wir die Welt und die Dinge zwar differenziert wahrnehmen, sie aber nicht von einander getrennt sind. Auch der Typ, den ich partout nicht leiden kann ist letztlich eins mit mir – und nicht nur verbunden, den verbinden kann ich ja nur von einander getrennte Dinge. Aber genau das ist die Illusion.

Es ist daher Eines sich zu fragen, weshalb wir Kriege gegeneinander führen, ob als Nationen, in der Wirtschaft oder in der Gesellschaft wie den Familien, etwas anderes ist es, ganz einfach damit aufzuhören. Also selbst so handeln und es nicht nur von anderen zu verlangen oder zu erwarten.

Einerseits und uns Tiere im Leben ohne Egoismus teilweise viel voraus, andererseits hat der Mensch eine unbestreitbare Qualität in Poesie, Ästhetik und Weltverständnis entwickelt. Bewusstheit betrifft also letztlich nicht nur uns Menschen, aber vielleicht tut es das besonders. Wir haben gelernt, das Böse in uns hervorzurufen – aber auch das Gute. Irgendwie hängt das unmittelbar zusammen, das eine gibt es nicht ohne das andere, auch wenn wir uns das wünschen. Wir werden wohl immer in diesem Spannungsfeld leben.

Es ist erst einmal ein ordentlicher Schlag ins Kontor, wenn wir das begreifen, aber dann sollten wir uns aufmachen, das Richtige und Notwendige zu tun, statt uns in irgendwelche esoterischen Traumwelten zu verkriechen. Wenn wir es dann noch hinbekommen, endlich ohne das Prinzip der Trennung zu leben, nur mit dem Prinzip der Differenzierung, dann würden wir wohl ein richtiges Fass aufmachen.

Das wäre wohl der erste, wesentliche Schritt zu einer wirklichen Partnerschaft zwischen Mensch und Natur. Statt als unbeteiligte Beobachter eine von uns unabhängige Realität entdecken zu wollen, wären wir in der Lage, uns an den Prozessen der Welt und des Lebens aktiv zu beteiligen. Was wir ja schon tun, doch da wir uns vielfach noch als getrennte Wesen ansehen wird uns nicht bewusst, dass wir uns damit den Ast absägen, auf dem wir letztlich sitzen.

Mitschöpfer

Welche Bedeutung hat das, was ich tue, für die Welt? Diese Frage kann ich erst dann richtig beantworten, wenn ich mein eigenes Leben in die Geschichte der Menschheit richtig einzuordnen vermag. Nehme ich mein Leben nur in der Zeitspanne von meiner Geburt bis zu meinem Tod wahr, oder kann ich es als ein Element in der Geschichte der Menschheit, der Welt und des Kosmos erleben?

Früher habe ich mich immer als Humanist verstanden. Doch was ist Humanismus anderes als eine vor allem menschenzentrierte Ideologie? Und Wissen bedeutet nicht Macht, sondern definiert eine Aufgabe; die Aufgabe, den geheimen, weil nicht offensichtlichen Code des Kosmos zu erkennen. Wir wissen mittlerweile, dass Innen wie Außen ist, da nichts voneinander getrennt ist. Daher kann ich die Welt erforschen, indem ich mich selbst erforsche, mich selbst erkenne.

Das Hindernde dabei war, dass ich nur die Lebensspanne jetzt im Blick hatte, ja regelrecht darauf fixiert war und mich selbst nicht im Fluss der Zeit erleben konnte. Ich sah immer nur die einzelnen Teile wie ein Mosaik aus vielen einzelnen Teilen, aber ich sah es nicht als ein sich permanent bewegendes Ganzes. Das entspannt mich einerseits, ich kann die Vorstellung lassen, ich müsste es jetzt schaffen; andererseits nimmt es mich auch in die Pflicht, dafür zu sorgen, dass mein Teil an der Geschichte „sauber“ ist.

Dass ich meinen Teil an der Geschichte gestalte ändert nichts an der Tatsache, dass alles das Eine ist, denn was bleibt, das ist, dass es in sich differenziert ist. Ist das Fenster, durch das ich die Welt wahrzunehmen glaube, wie aus Milchglas, dann prägt das die Welt entsprechend, aber nicht nur für mich.

Als ich noch so richtig klein war, differenzierte ich ‚die Welt da draußen‘ nicht bewusst von mir selbst, das kam erst mit zunehmender Bewusstheit dazu. Es ist diese Bewusstheit, die mich dann tun lies, was ich tat. Je klarer mir wird, wie und was der Kosmos ist, mit desto konstruktiver kann ich meine Bewusstheit „einsetzen“.

Ich muss mich selbst ohne verstehen können, um das Universum verstehen zu können. Dafür muss ich mich aus Selbstbezogenheit lösen und  lernen, ‚richtig‘ zu denken; also so, wie der Kosmos denkt, nach und mit den selben Prinzipien. Doch wie soll das gehen?

In einer alten chinesischen Überlieferung soll es so beschrieben sein: Es beginnt damit, Herz und Verstand vollkommen zu verwirklichen, dann kann ich mein persönliches Wesen begreifen. Verstehe ich das, verstehe ich auch das Wesen der Menschen. Das führt mich weiter zum Verständnis des Wesens der Dinge, was mich weiter zum Verständnis von Himmel und Erde bringt und das letztlich zur Erkenntnis des Transformations- und Erhaltungsprozesses der Welt.

Doch das Ganze hat einen Haken, es geht nämlich auch umgekehrt. Solange ich darauf bestehe, nach meinem eigenen begrenzten, egoistischen Verständnis über die Natur zu handeln und mir die Welt und das Universum ohne grundlegendes Verständnis zu nutzen machen will, dann werde ich zum Zerstörer und nicht zum Mitschöpfer.

Das sind die existenziellen Fragen oder Themen, die die moderne Physik mit sich bringt. Und da wir ja lieber der Physik folgen als dem Ch’an, sehe ich das als eine gewaltige Chance an, die es zu nutzen gilt.