Weshalb das alles?

Warum tue ich, was ich tue? Die Frage nach der Motivation meines Tuns hat mich schon immer umgetrieben. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass ich ähnlich wie ein Flipperball war, der aus der jeweiligen Situation das Beste für sich herauszuholen suchte, was mir aber nur mit mäßigem Erfolg gelang.

In den letzten Jahren kam etwas hinzu, was tatsächlich schon sehr lange da war: Die Geschichte meiner Herkunftsfamilie. Alles andere als erfreulich. Es zog mich immer weiter herunter, auch körperlich ging es mir nicht sonderlich gut. Ich begriff langsam, weshalb ich immer wieder regelrecht über meine eigenen Füße stolperte, was auch Auswirkungen auf andere hatte, vor allem meine Kinder: Ich leugnete mich selbst, weil ich die Geschichte meiner Familie nicht wahrnehmen wollte, die ja auch in mir steckt, auch mich hat werden lassen, wie ich bin.

Meine Verantwortung war und ist es, mit dieser Geschichte angemessen umzugehen statt so zu tun, als wäre da nichts, was Bedeutung für mich hätte. Diese Verantwortung habe ich sehr, sehr lange nicht wahrgenommen. Das, was meinen Vater dazu brachte zu tun, was er tat, all das ist auch in mir, wie auch immer.

Es begann damit, die dahinter liegend Dynamik zu erkennen und zu verstehen. Ich musste ganz einfach bewusster werden für mich selbst, denn es geht ja darum, was ich tue und nicht, was meine Eltern getan haben, auch wenn das nicht zu trennen ist, denn ich setze sozusagen fort, wo sie im Moment meiner Zeugung standen. Das ist mein Erbe.

Was muss ich also tun, um dieses Erbe transformieren zu können? Dazu muss ich das Transzendente und die darin zum Ausdruck kommenden Prinzipien wie das Gute, das Wahre und das Schöne erfassen und dem nicht meine Erfahrung, insbesondere meine normalen Sinneswahrnehmung gegenüberzustellen, sondern zu erkennen, dass die davon abhängig sind.

Mein Bewusstsein der Transzendenz transformiert meine Erfahrungen, denn beide Lebensbereiche stehen nicht nebeneinander, sondern bedingen sich.

Zukunft denken

Für mich hat das etwas wie Segeln. Erst muss ich alles beisammen haben, wissen wie ich ein Boot auftakeln und wie ich die Segel setzen muss, mich mit Wind und Wetter auskennen und Seekarten lesen können.

Erst muss ich nautisches Wissen haben, bevor ich mich auf einen Törn machen kann. Dann, beim Segeln, geht es in erster Linie um das Segeln an sich, das Ziel tritt dabei vollkommen in den Hintergrund.

So ist es auch beim Denken.

Die Idee

Mich selbst verstehen …
… oder Ch’an trifft Quantenphysik

Religion ohne Quantenphysik ist ein
unvollständiges Abbild der Wirklichkeit.
Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit Ch’an (Zen), aber auch mit den existenziellen Fragen, die die Quantenphysik aufwirft. Das Spannende ist, dass sich ‚irgendwie‘ beide mit der identischen Frage beschäftigen:

Was ist Wirklichkeit?

Um meine (Familien-) Geschichte wie mich selbst verstehen zu können, muss ich erst einmal wissen, wie ein Mensch – also auch ich – sich überhaupt organisiert. Ich denke ganz selbstverständlich, doch weiß ich damit noch lange nicht, weshalb ich denke, was ich eben denke. Damit fängt es an.

Von der Philosophie zur Wissenschaft

Lange Zeit fristeten Religion oder Sinnfindung und Wissenschaft ein getrenntes Dasein. Doch mittlerweile haben die Wissenschaftler ‚nachgelegt‘ und mit geistigen Traditionen ‚gleichgezogen’, denn auch sie sind auf existenzielle Fragen gestoßen. Es steht also 1:1. Und das ist gut so, denn endlich haben die Dinge zusammengefunden, die zusammengehören.

Sie alle haben mit ganz ähnlichen Worten das selbe auszudrücken versucht wie es Erin Schrödinger tat: „Der Geist baut die reale Außenwelt der Naturphilosophie (wie auch die des Alltags) ausschließlich aus seinem eigenen, d.h. aus geistigem Stoff auf.

Was Max Planck gleichfalls erkannte: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde. Dieser Geist ist Urgrund aller Materie.“ Eugene Wigner führte das weiter aus. Er war der Ansicht, dass Bewusstsein die Realität erzeugt!

Paul Dirac, der 1933 den Nobelpreis erhielt fasst die Schwierigkeiten des Menschen zusammen, das zu verstehen: „Mehr und mehr hat es sich aber in letzter Zeit herausgestellt, daß die Natur nach einem ganz anderen Plan arbeitet. Ihre Grundgesetze beziehen sich nicht ganz unmittelbar auf eine Welt, die wir uns in Raum und Zeit vorstellen können, sondern diese Gesetze gelten für ein Etwas, von dem wir uns keine anschauliche Vorstellung machen können ohne ganz unwesentliche Züge mit aufzunehmen.“

Also ist die Welt letztlich nur Geist? Ja, sagt Hans Peter Dürr: „Primär existiert nur Zusammenhang, das Verbindende ohne materielle Grundlage. Wir könnten es auch Geist nennen. Etwas, was wir nur spontan erleben und nicht greifen können. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung – gewissermaßen als geronnener, erstarrter Geist.“ Der darauf aufbauende Gedanke von Nikola Tesla: „Wenn du die Geheimnisse des Universums finden möchtest, dann denke in den Begriffen Energie, Frequenz und Schwingung.“ macht es ein weniger leichter, genauso wie der Gedanke von Niels Bohr, dass „Realität durch Beobachtung geschaffen wird“.

Er hatte aber auch eine Warnung für uns parat: „Wer über die Quantentheorie nicht entsetzt ist, der hat sie nicht verstanden.

Ehrlichkeit

Einfach den Dingen auf den Grund gehen. Klingt absolut richtig. Doch es scheint oft einfacher zu sein, auch die eigenen wie fremde Handlungen uns nahestehender Personen zu verteidigen, als ihnen ehrlich auf den Grund zu gehen. Wir greifen eher an oder stellen uns lieber tot, als das wir etwas Unangenehmes zugeben. Etwas zuzugeben erfordert offensichtlich Mut, den wir scheinbar nicht immer oder auch nicht mehr haben.

Ehrlich zu sein ist tatsächlich eine Frage des Mutes – genügend Mut, um mich dem zu stellen, was mir Angst macht. Wir wissen, dass wir alle immer wieder Fehler machen, doch warum geben wir sie nicht einfach zu? Dies geht in einer Nebelwand von Täuschungen verloren, die benutzt wird, um Unehrlichkeit zu rechtfertigen.

Wann immer wir meinen (wohlgemerkt nicht bewusst!), einen guten Grund zur Unehrlichkeit zu haben – Elend, Verzweiflung, Depressionen, Unwissenheit, ungerechte Behandlung usw., liefern wir uns lediglich noch mehr Beweise, die unsere Angst vor dem, was wir zu vermeiden suchen, nähren.

Doch weshalb diese Angst? Weil wir uns dann unzulänglich fühlen? Das ist wohl so, doch wo kommt dieses Gefühl her, was ist sein Ursprung? Ich meine, es hört in dem Moment auf, in dem ich aufhören, mich selbst meistbietend zu vermarkten.

Weil ich mir aber nicht so ohne weiteres eingestehen will – wie wir wohl alle – , dass ich mich selbst hinter einer Maske zu verbergen suche, habe ich diese Angst vor der Ehrlichkeit. Meine Ehrlichkeit demaskiert mich – erst einmal.

Das ist in meiner Überzeugung der wirkliche Ursprung dieser Angst. Also will ich sie überwinden. Wie, dem will ich mich hier nähern.